Nächste Haltestelle: Smart Society

Utopie der vernetzten Gesellschaft?

Von den Jägern und Sammlern, über das Agrar-, Industrie- und Informationszeitalter entwickelte sich die Menschheit hin zu dem nun anstehenden fünften Zeitalter: der Smart Society.

Auf der größten Messeveranstaltung für Informationstechnik, der Cebit, präsentierte bereits 2017 der japanische Premierminister seine Pläne für den Weg seiner Nation hin zur vernetzten Gesellschaft, dem Projekt der sogenannten Society 5.0, wenn auch noch etwas unscharf definiert. Mehr Gestalt erlangte die Idee in einer Anzeige der Financial Times: "In dieser ultrasmarten Gesellschaft wird Japan weiter die Netzwerk- und Internet-der-Dinge-Kapazitäten von fortgeschrittenen Innovationen in der Herstellung bis in jeden Winkel der Gesellschaft ausbauen und dramatisch die Lebensqualität verbessern und das Wirtschaftswachstum ankurbeln." so in der Zeitungsanzeige. Dazu sollen technische Entwicklungen wie Sensoren, Roboter, Big Data und Cloud Computing in die Gesellschaft integriert werden, um Menschen zu helfen und scheinbar unüberwindbare Probleme zu lösen.

Japan ist eine rasant alternde Gesellschaft - laut Expertenschätzungen werden bis 2050 ganze 40 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein - und die Antwort der führenden Robotik-Nation auf den Demografischen Wandel sollen Roboter sein. Tausende Roboter, Geh- und Aufsteh-Assistenten, künstliche Kuschelrobben, futuristisch wirkende Power-Handschuhe, welche zu mehr Bewegung verhelfen sollen, sind bereits in japanischen Pflege- und Seniorenheimen zu finden und unterstützen, wo sie nur können.

Trotz einiger Bedenken an Japans Idee der totalen Vernetzung seitens unterschiedlicher Experten und Institutionen, äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2017, dass Japans Vision der Gesellschaft 5.0 nicht nur interessant, sondern auch inspirierend für Deutschland sei.

Klar ist: der Demografischer Wandel stellt nicht nur für Japan ein relevantes gesellschaftlich umfassendes Thema dar, sondern auch für Deutschland. Dem Statistischen Bundesamt nach sind ein Anstieg der Seniorenzahl sowie ein Rückgang der Erwerbsfähigen Bevölkerung durch den aktuellen Altersaufbau unserer Gesellschaft vorgezeichnet. Zwischen 1990 und 2018 stieg die Zahl der Menschen im Alter ab 67 Jahren bereits um 54 Prozent - von 10,4 Millionen auf 15,9 Millionen, und bis 2039 soll diese auf mindestens 21 Millionen wachsen. Dagegen soll die Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 51,8 Millionen (2018) auf rund 45,8 Millionen bis zum Jahr 2035 abnehmen.

Aktuell schreiben wir das Jahr 2021, in dem die rasant fortschreitende Digitalisierung und damit einhergehende Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Blockchain, Internet of Things für ganz Europa zeichnend sind. Institutionen, wie IT-Sicherheitsunternehmen NTT Security, sprechen von einem Wandel hin zu einer Art Society 5.0, an dem kein Weg vorbei führe.

Die Idee der Smart Society soll Gesellschaften umfassend vernetzen und zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.
Die Idee der Smart Society soll Gesellschaften umfassend vernetzen und zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.

Doch was genau versteht man unter Smart Society beziehungsweise Society 5.0 und welche Ziele sollen wie umgesetzt werden?

Der Begriff Smart Society beschreibt einen Denkansatz zur ganzheitlichen Entwicklung von Gesellschaften, bei der das Zusammenspiel von Technologie (datenbasierte Entscheidungen), Ökologie (Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen), Soziologie (Zusammenleben in zunehmend diversen Gesellschaften) und Administration im Fokus steht. In dem Diskurs der Smart Society hat sich das von Boyd Cohen 2012 entwickelte Smart City Wheel etabliert, welches folgende sechs Dimensionen beinhaltet: Smart economy, smart people, smart governance, smart mobility, smart environment  und smart living.

Die japanische Idee der sogenannten "Society 5.0" kann als Smart-Society-Interpretation verstanden werden, wie ebenso das Projekt "Horizon 2020" der Europäischen Union.

Unter der Society 5.0, welchen die japanische Regierung prägte, versteht man eine nachhaltige, intelligente und komplett vernetzte Gesellschaft, die modernste Technologien nutzt, um sowohl die eigene Lebensqualität als auch die Welt nachhaltig zu verbessern.

Das Fundament sollen digitale Infrastrukturen, Plattformen und Services bilden, welche sowohl auf Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Internet of Things, Blockchain als auch auf Augmented und Virtual Reality oder Robotic Process Automation basieren.

Kernziele der japanischen Vision sind die Schaffung der gesellschaftlichen Akzeptanz, das Vorantreiben der Nutzenargumentation und Anpassung der Bildungssysteme an die Digital Natives, wobei eine gesellschaftliche Akzeptanz sicherlich die unabdingbare Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung ist. Um diese zu erreichen müssen mit einer verständlichen Nutzenargumentation die Chancen und Vorteile, die mit der Idee einhergehen, aufgezeigt werden. Ebenso wichtig ist, das gesamte Bildungssystem für die "Digital Natives" anzupassen, gerade auch hinsichtlich der Qualifizierung der nächsten Generation für den Arbeitsmarkt von morgen.

Ob nun Smart Society oder Society 5.0, fest steht: die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten - und ebenso wenig die voranschreitende Vernetzung verschiedenster Lebensbereiche. Welche Anwendungsszenarien es im Sinne einer solchen neuen, technologiebasierten Gesellschaft gibt, und welche Schattenseiten es zu bedenken gibt, evaluieren wir in den kommenden Wochen in einem weiteren Blogbeitrag "Nächste Haltestelle: Smart Society".

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Quellen: www.geldinstitute.de, www.zeit.de, www.trendreport.de, www.it-daily.de, www.kas.de, www.wikipedia.de, www.destatis.de