Sharing Economy - Wohltat der digitalisierten Gesellschaft?

Begriffsklärung und Entwicklung

Dem Sommer blicken wir meist freudig entgegen - immerhin genießen viele in dieser Jahreszeit ihren Urlaub. Doch in diesem Jahr wurde der beliebte Jahresabschnitt nicht nur durch die anhaltende Corona-Krise erschwert, der Sommer 2021 sorgt mit seinen Wetterextremen weltweit für Diskussionsbedarf und wird in die Geschichte eingehen.

Ob Hitzewelle und damit einhergehende Waldbrände in Griechenland, Türkei und Italien, Fluten in China, Starkregen und Überschwemmungen in Belgien, Niederlande und Deutschland - die Wetterextreme haben viele Opfer gefordert und Hab und Gut zerstört. Überwältigt von den Ereignissen reisten nicht nur zahlreiche Helfer in die Krisengebiete, um bei der Rettung und dem Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur und Häuser zu helfen, es entstanden auch viele hilfreiche Spendenaktionen - sowohl vor Ort als auch in digitaler Weise.

Zu Teilen und Schenken ist nicht nur ein Phänomen in Zeiten humanitärer Katastrophen, sondern ein immer häufiger genutztes Konsumkonzept mit allerhand Zukunftspotenzial. Sowohl in der Diskussion um Nachhaltigkeit als auch um Digitalisierung und Vernetzung, welche bereits in unserem Blog betrachtet wurden, findet sich das Stichwort Sharing Economy wieder.

Ob teilen, tauschen oder schenken - Sharing Economy beinhaltet verschiedene Konsumformen.
Ob teilen, tauschen oder schenken - Sharing Economy beinhaltet verschiedene Konsumformen.

Doch was genau versteht man unter Sharing Economy und wo hat sie ihren Ursprung?

Sharing Economy - häufig auch "Shared Economy“ oder "Share Economy“ und übersetzt "Wirtschaft des Teilens“ - wird im englischsprachigen Raum auch als "Collaborative Consumption“ und "Collaborative Economy“ bezeichnet und ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl gemeinschaftlicher Konsumformen. Elementarer Inhalt dieses Konsumkonzeptes ist die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern, Räumen und Flächen durch Teilen, Tauschen, Leihen, Mieten oder Verschenken - insbesondere durch Privatpersonen und Interessensgruppen - sowie die Vermittlung von Dienstleistungen. Solange Güter brauchbar und verfügbar sind, wechseln sie dabei den Nutzer bzw. Besitzer, während die Wartung und Instandsetzung meist Aufgaben des Eigentümers sind.

Den Ursprung dieser Konsumform findet man in den Genossenschaften, die aus der Landwirtschaft entsprungen sind, und seither existieren zahlreiche solcher Konzepte in verschiedenen Formen, seien es Bibliotheken und Videotheken, Autovermietung, Mitfahrzentralen, Waschsalons oder Skiverleih. Basismotivationen dieser Ansätze sind ursprünglich sowohl sozialer als auch ökologischer Natur - dabei geht es um eine effektive und nachhaltige Nutzung beschränkter Ressourcen und um wachsenden Zusammenhalt der Gesellschaft. Auch konsum- und wachstumskritische Sichtweisen und Einstellungen sind oftmals Grundlage und Basis zugleich. Eigentum wird dabei nicht nur als Bereicherung, sondern auch als eine mögliche Belastung angesehen.

Zunehmend rücken vor allem kommerzielle Vermittlungsdienste in der öffentlichen Diskussion um den Begriff Sharing Economy in den Vordergrund, besonders im Transport- und Tourismusbereich. Während früher mit den Konsumformen der Sharing Economy oft aufwändige und zeitintensive Prozesse einhergingen und diese so nur einen beschränkten Umfang aufwiesen, entstehen durch die voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung und damit einhergehende technologische Innovationen neue Dimensionen und Reichweiten. Dabei spielen soziale Netzwerke und elektronische Plätze zum Erreichen eines möglichst großen Interessentenkreises eine bedeutende Rolle.

Welche Rolle wiederum Unternehmen in der Sharing Economy einnehmen, hängt ganz von ihrem Geschäftsmodell ab. Während bei dem Peer-to-Peer (P2P) Geschäftsmodell die Unternehmen lediglich die technische Infrastruktur in Form von Plattformen zur Verfügung stellen, über die sich die Nutzer dann austauschen können, nutzen Unternehmen beim Business-to-Customer (B2C) Geschäftsmodell die technischen Möglichkeiten, um ihren Kunden die Nutzung ihrer Produkte und Dienstleistungen komfortabel zur Verfügung zu stellen. Beim Business-to-Business (B2B) Modell werden beispielsweise Produkte von Unternehmen an andere Unternehmen verliehen, um Anschaffungskosten und Expertenrat zu sparen. Die B2B- und B2C-Geschäftsmodelle sind recht lange in der Sharing Economy vertreten und werden durch technische Innovationen beschleunigt und vereinfacht.  Das P2P-Modell jedoch ist neuer und bringt neue Dimensionen sowie Chancen und Risiken der Sharing Economy im digitalisierten Zeitalter mit sich.

Man muss nicht lange überlegen, um aktuelle Anwendungen für die digitalisierte Sharing Economy zu finden. Ob Flat Sharing mit AirBnB, Car Sharing mit TeilAuto, Food Sharing mit To-Good-To-Go, Media Sharing mit Netflix, Information Sharing mit Wikipedia oder zahlreiche digitale Flohmärkte wie Ebay Kleinanzeigen oder Vinted - Beispiele lassen sich genug finden und zeigen auf, wie umfangreich die "Wirtschaft des Teilens" in unserer digitalisierten und vernetzten Gesellschaft integriert ist.

Welche Chancen Sharing Economy in unserem digitalisierten Zeitalter bietet und welche Risiken es zu bedenken gilt, soll nächste Woche im zweiten Teil der Blogreihe "Sharing Economy – Wohltat der digitalisierten Gesellschaft?" kritisch hinterfragt und betrachtet werden.

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Quellen: www.bundestag.de, www.wikipedia.de, www.bmwi.de, www.pergenz.de, www.zeit.de, www.ionos.de