Sharing Economy - Wohltat der digitalisierten Gesellschaft?

Chancen und Risiken

Im vergangenen Blogbeitrag zum Thema "Sharing Economy – Wohltat der digitalisierten Gesellschaft?“ wurde der Begriff Sharing Economy mit seinen Grundzügen sowie ein kleiner Abriss über dessen Ursprung und Entwicklung näher beleuchtet.

Die vielfältigen Formen dieses Konsumkonzeptes erlangen immer größere Beliebtheit und sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Betrachtet man bekannte Unternehmen, die das Sharing erleichtern, lassen sich die Dimensionen etwas erahnen: Das Unternehmen Uber, welches Fahrdienstvermittlung anbietet, ist in über 50 Ländern vertreten und erzielte 2019 einen Jahresumsatz von 13 Milliarden US-Dollar – 2013 betrug dieser 100 Millionen US-Dollar.

Auch Airbnb verzeichnet ein Jahresumsatzwachstum von 250 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 auf 4,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 und ist weltweit in über 200 Ländern vertreten.

Die schnell vorantreibende Digitalisierung und Vernetzung haben dieser Wirtschaft des Teilens einen neuen Anstrich verpasst und für neue, nie dagewesene Reichweiten sowie Kommerzialisierungsmöglichkeiten gesorgt.

Die Wirtschaft des Teilens und deren Konsumformen bieten Chancen und Risiken.
Die Wirtschaft des Teilens und deren Konsumformen bieten Chancen und Risiken.

Das englische Sprichwort "Sharing is caring“ zeichnet ein positives Bild vom gemeinsamen Teilen und Nutzen - doch welche Seiten gilt es noch zu betrachten, welche Chancen und Risiken stecken hinter der weitreichenden Sharing Economy?

Zieht man eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC hinzu, verdeutlicht sich das positive Image der Sharing Economy - über die Hälfte der Befragten gibt an, bereits Sharing-Angebote zu nutzen und sogar 70 Prozent sehen diese positiver als herkömmliche Unternehmen. Auch der amerikanische Soziologe und Berater der EU-Kommission, Jeremy Rifkin, ist von der Ökonomie des Tauschens und Teilens überzeugt und sieht in ihr die Chance für die Errichtung einer "sozialeren Weltgemeinschaft“, in der wir Dinge gemeinsam besitzen und die Bedeutung von eigenen, großen Profiten schrumpft. Ob man nun die schon fast euphorisch wirkende Meinung des Soziologen teilt oder nicht - es lässt sich nicht leugnen, dass die Formen der Sharing Economy sowohl für Unternehmen als auch für private Nutzer Vorteile und Chancen bietet. Doch auch die vermeintlich verborgenen Risiken gilt es zu bedenken. 

Ein großer Vorteil für Nutzer der Sharing Economy ist eindeutig die Preisgestaltung - angebotene Waren und Dienstleistungen sind in der Regel deutlich preisgünstiger als herkömmliche Alternativen. Waren gebraucht zu kaufen oder zu mieten ist deutlich günstiger als eine Neuanschaffung und zwischenvermietete Wohnungen zu nutzen ist ebenso günstiger als ein Hotel zu buchen. Auch die hohe Benutzerfreundlichkeit und mobile Zugänglichkeit von Plattformen ermöglicht eine zeitsparende, effiziente und unkomplizierte Inanspruchnahme von Produkten und zählt somit zu den Vorteilen. Betrachtet man das gesellschaftlich immer relevanter werdende Thema Umweltschutz, kann auch hier die Sharing Economy punkten, denn gemeinschaftliche Nutzung und Wiederverwendung schont Ressourcen und Natur. Durch die leichte Zugänglichkeit und die niedrige Preisgestaltung kann allerdings auch eine Steigung des Konsums verzeichnet werden, sodass der Umweltschutz-Aspekt dann wieder fraglich ist. 

Mit beziehungsweise durch die Möglichkeiten der Sharing Economy entstehen sowohl für Anbieter der Plattformen als auch für Verkäufer neue Verdienstmöglichkeiten, welche aufgrund keiner erforderlichen Ausbildung für Quereinsteiger simpel erscheint. Mit diesen neuen Verdienstmöglichkeiten gehen aber auch oft arbeitsrechtliche Nachteile einher. Beispielsweise werden Fahrer von Transportdiensten nicht fest angestellt, sondern arbeiten freiberuflich oder selbstständig. Mindestlohnregelungen und Kündigungsschutz greifen hier nicht.

Doch auch Unternehmen profitieren von der Sharing Economy, da diese mit einer Erweiterung der Geschäftsmodelle neue Möglichkeiten bietet, Felder und Nischen des Marktes zu bedienen, Endkunden zu erreichen und schließlich neue Verdienstmöglichkeiten zu erlangen. Etablierte Branchen allerdings bekommen so neue Konkurrenz und können aus dem Markt verdrängt werden. Ein weiterer Vorteil für Unternehmen sind geringere Personal- und Raumkosten, die mit der Nutzung effizienter Technologien zur Vermittlung von Waren, Dienstleistungen und Informationen einhergehen. Dabei entstehen allerdings Kosten für Entwicklung und Wartung von Soft- und Hardware. Auch die Möglichkeit der Sammlung von Kundendaten durch die Online-Interaktion ist für Unternehmen von Vorteil und gewinnbringend, denn dies erleichtert zum Beispiel die Anpassung der Produkte an Kundenwünsche. Diese verändern sich jedoch auch - durch die Konsumformen entsteht eine neue Erwartungshaltung an Qualität und Langlebigkeit - sodass Einmal-Produkte an Attraktivität verlieren und betroffene Unternehmen sich darauf einstellen und gegebenenfalls umorientieren bzw. umstrukturieren müssen. Mit der Sammlung verschiedenster Daten und deren Auswirkung auf ihre Privatsphäre sollten sich vor allem auch Nutzer befassen. Je vernetzter unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger ist es, sich darüber zu informieren und bewusst zu sein, welche Informationen gesammelt und auch weitergegeben werden.

Obwohl die ursprüngliche Motivation, wie bereits im letzten Blog beleuchtet, positiver Natur ist und sich viele Vorteile und Chancen der Sharing Economy zeigen, bringt diese auch Nachteile und Risiken mit sich - sowohl für Endnutzer als auch für Unternehmen. Besonders kritisch betrachtet wird die zunehmende Kommerzialisierung. Vielen Sharing-Economy-Plattformen wird vorgeworfen, ursprünglich kostenfreie Konsumformen aus egoistischen Profitzielen in ein kostenpflichtiges Modell umzuwandeln. Dennoch etablieren sich diese Konsumformen, sorgen für frischen Wind und regen zum Reflektieren unseres Konsumverhaltens an. Ob Sharing Economy nun als Wohltat unserer digitalisierten Gesellschaft betrachtet werden kann, gilt es für sich selbst zu bewerten.

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