Folgendes Szenario: Es ist Montagmorgen und die zwei einzigen CNC-Spezialisten, die Deine CNC Fräsmaschine bedienen können fallen spontan längere Zeit aus. In dieser Situation erkennt Odoo im Standard-Verhalten den Ausfall der Mitarbeiter nicht, sondern lediglich, dass die Maschine Kapazität hat und arbeiten kann. Drei Monate später dann der Schock: Lieferrückstände. Der Fehler? Produktionsplanung ohne Personalplanung.
Anwesenheitsübersicht in der Fertigungsplanung
Um genau dieses Szenario zu umgehen haben wir eine Kapazitätsplanung mit Mitarbeiteranwesenheit entwickelt, die diese Lücke schließt und die Berücksichtigung von Mitarbeiterverfügbarkeiten bei der Fertigungsplanung einbezieht.
Der Odoo Standard bietet für die Fertigung ein natives Planungstool, welches sehr viele Angaben rund um Arbeitsplätze berücksichtigt. So erhalten Arbeitsplätze Arbeitspläne, die die verfügbaren Stunden für Produktionsaufträge an diesem Arbeitsplatz vorgeben. Dazu kommen in der Berechnung der Produktionszeit für einen Fertigungsauftrag noch die Effizienz des Arbeitsplatzes, Wartungsaufträge, Ausfälle, (spezifische) Kapazitäten, Rüstzeiten und weitere Faktoren, die am Arbeitsplatz eingestellt werden.
"Das bringt mir alles nichts, wenn die einzige Mitarbeiterin, die an diesem Arbeitsplatz arbeiten kann, abwesend ist und deshalb niemand den Arbeitsplatz bedienen kann!"
Dieses Feedback haben wir oft bekommen, daher haben wir eine Lösung dafür entwickelt, die wir in diesem Blog vorstellen.
Vorab: Begriffe
Die Begriffe "Produktionsplanung" und "Fertigungsplanung" meinen beide den Vorgang, dass in Odoo Fertigungsaufträge geplant werden. Daraufhin werden auch die einzelnen Fertigungsschritte geplant. Die Fertigungsschritte heißen in Odoo "Vorgänge" und auch "Arbeitsaufträge".
Planung nach Mitarbeiter, statt nach Arbeitsplatz
Die wichtigste Anforderung für viele unserer produzierenden Kunden ist, dass sie ihre Fertigungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern planen und nicht mit Arbeitsplätzen. Die Mitarbeitenden sind oft der limitierende Faktor, da die Arbeitsplätze theoretisch auch dauerhaft laufen können. Odoo verbindet die Planung von Aufgaben in Außendienstprojekten sehr gut mit den Mitarbeitern, jedoch nicht die Planung von Fertigungsaufträgen.
Nötig ist also eine Lösung, die bei der Fertigungsplanung berücksichtigt, dass Mitarbeiter abwesend sind durch Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen. Dies sollte auch visualisiert werden und ebenso intuitiv zu erkennen sein, wie es auch die Odoo Standard-Ansichten "Planung nach Produktion" und "Planung nach Arbeitsplatz" sind.
Des weiteren sollte in den Mitarbeitern auch zu sehen sein, welche Arbeitsplätze sie bedienen können. Die Odoo Fertigungsplanung im Standard, welche wie oben bereits aufgeführt, diverse Zahlen rund um den Arbeitsplatz berücksichtigt, sollte dabei nicht übergangen, sondern lediglich erweitert werden. So ermöglicht unsere Erweiterung nun, dass die Produktionsplaner und Produktionsplanerinnen aktiv von Odoo informiert werden, wenn sich eine Änderung ergibt. Beispielsweise, wenn spontan ein Mitarbeiter ausfällt und dadurch das geplante Enddatum der Fertigung riskiert wird.
Wie bediene ich das neue Modul?
Die App stellt verschiedene neue Funktionen an mehreren Stellen bereit.
Arbeitsplätze im Mitarbeiter-Datensatz
Zunächst werden wie auch im Odoo Standard in den Arbeitsplätzen "erlaubte Mitarbeiter" hinterlegt. Diese Info wird in den Mitarbeitern gespiegelt, wo es nun ein Feld gibt, das zeigt, für welche Arbeitsplätze der Mitarbeiter erlaubt ist.
An dieser Stelle gibt es eine kleine Einschränkung: Wenn ein Arbeitsplatz keinen Mitarbeiter als "erlaubten Mitarbeiter" hinterlegt hat, dürfen gemäß Odoo Standard alle Mitarbeiter daran arbeiten. Unsere Entwicklung zeigt diesen Arbeitsplatz aber nicht in allen Mitarbeitern als Arbeitsplatz an. Damit das angezeigt wird, müssen in den Arbeitsplätzen, an welchen alle Mitarbeiterinnen arbeiten dürfen, auch alle Mitarbeiterinnen explizit hinterlegt werden.
Gantt Ansicht der Produktionsplanung
Unsere App bietet einen neuen Menüpunkt, der die Planung nach Mitarbeitern visualisiert und auch schnell erkennbar macht, dass einige Vorgänge noch nicht zugewiesen wurden:

Wir benutzen hier bewusst das Wort "visualisiert", da diese Ansicht "read only", also nicht bearbeitbar ist. Andernfalls könnten Aufträge einfach zu einem Mitarbeiter verschoben werden, der vielleicht nicht an dem Arbeitsplatz des Vorgangs arbeiten darf. Die Zuweisung von Mitarbeitern zu Arbeitsvorgängen muss weiterhin über das Odoo Standard-Menü der Arbeitsaufträge erfolgen:

Erweiterungen im Fertigungsauftrag
Die meisten hilfreichen und entscheidenden Infos gibt unsere Lösung im Fertigungsauftrag. Zur Demonstration spielen wir im Folgenden ein Beispiel durch:
Amy Watson ist bis zum 31. Oktober 2025 im Urlaub. Wir weisen sie aber trotzdem einem Auftrag zu und planen. Odoo setzt das geplante Ende entsprechend hoch und wir erhalten eine Meldung über die Verspätung des Arbeitsauftrages als Aktivität:

Diese Aktivität erhält der Verantwortliche des Fertigungsauftrages. Er oder sie kann nun entsprechend reagieren und die Planung aufheben, jemand anders zuweisen, das geplante Datum wieder aktualisieren und neu planen.
Wenn zwei zugewiesene Personen abwesend sind, wird angenommen, dass die erste zurückkommende Person mit der Arbeit beginnt. Wenn in unserem Beispiel also die Planung abgehoben, eine zweite anwesende Person zugewiesen und das geplante Datum wieder auf "jetzt" geändert wird, setzt Odoo bei erneuter Planung das geplante Ende auf in 180 Minuten, da die zweite zugewiesene Person den Vorgang heute bearbeiten kann.
Wenn es Probleme bei der Planung gibt, sind auch in unserer neuen Gantt-Ansicht pro Mitarbeiter die Kacheln rot gefärbt. Wie auch in Odoo üblich, kann auf die Kachel geklickt werden, um den Arbeitsauftrag im Wizard zu öffnen. Anschließend lässt sich über das rote Dreieck "Planungsinformationen" die Fertigung umplanen.
Darüber hinaus fängt unsere Erweiterung ein weiteres großes Problem ab, wenn ein Mitarbeiter bereits in der Produktion eingeplant ist spontan ausfällt. In diesem Fall meldet Odoo das ebenfalls an den Produktionsplaner und teilt mit, welcher Schritt der Produktion betroffen ist, wie folgendes Beispiel zeigt:
In unserem Beispiel war eine Fertigung geplant für den 16. Oktober, doch nun erkrankt der zugewiesene Mitarbeiter Eli Lambert. Nachdem eine Abwesenheit in Odoo erfasst und genehmigt wurde, erscheint im Fertigungsauftrag folgende Meldung in Form einer Akivität:

An dieser Stelle gibt es, bedingt durch den Odoo Standard, ebenfalls eine Einschränkung: Eine Fertigung kann nur neu geplant werden, wenn nicht bereits begonnen wurde. Hätte in unserem Beispiel Anita bereits gestartet, würde man den Button "Planung aufheben" nicht mehr nutzen können, um neu zu planen. Ein Umplanen kann erst bei Verspätung oder Überschneidung mehrere Aufträge erfolgen, wenn das rote Warnungs-Dreieck erscheint:

Auch für diesen Fall haben wir eine separate App entwickelt. Diese App ermöglicht ein Umplanen, auch wenn bereits mit der Arbeit begonnen wurde. Kontaktiere uns hierzu gerne, wenn Du diese App ebenfalls benötigst.
Was gilt es sonst noch zu beachten?
Im aktuellen Zustand gibt es noch zwei Grenzen, zu denen es aber ebenfalls Lösungen gibt:
- Die Arbeitsplatzkapazität im Arbeitsplatz gilt nur für einen Fertigungsauftrag. Wenn also bspw. die Kapazität 900 ist, kann ein Fertigungsauftrag über 900 Stück erledigt werden, ohne dass 900 mal die Zeit der Stückliste angesetzt wird. Wenn aber 900 einzelne Fertigungsaufträge angesetzt sind, dann gilt im Odoo Standard diese Kapazität leider nicht und Odoo rechnet 900 mal die Zeit der Stückliste als Fertigungsdauer. Odoo kann im Standard also nicht damit umgehen, dass eine Maschine mehrere Aufträge für mehrere Kunden gleichzeitig fertigen kann. Dazu haben wir ebenfalls eine kleine Entwicklung, die diese Kapazität nutzbar macht, so wie Maschinenkapazität eigentlich zu verstehen ist. Auch hier gilt - komme gerne auf uns zu.
- Der Arbeitsplan der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wird bei der Auftragsplanung nicht berücksichtigt. Lediglich der Arbeitsplan, der im Arbeitsplatz hinterlegt ist, zählt. Das heißt, die Mitarbeiter sollten die gleichen Stunden haben wie die Arbeitsplätze. Sollten viele Mitarbeiter beispielsweise 40 Stunden pro Woche arbeiten, aber genauso viele 20 Stunden pro Woche, bietet es sich an, zwei Arbeitsplätze mit diesen zwei Arbeitsplänen anzulegen und jeweils als "alternativen Arbeitsplatz" zu hinterlegen. Anschließend sollten natürlich noch die korrekten Mitarbeiter zum Arbeitsplatz als "erlaubte Mitarbeiter" zugewiesen werden.
Komm gerne direkt auf uns zu, falls du dich für diese Lösung interessierst oder anderweitige Fragen zur Optimierung der Fertigung in Odoo hast!
FAQ zum Thema Produktionsplanung
Die Standardplanung in Odoo berücksichtigt primär die Kapazitäten von Arbeitsplätzen, nicht jedoch die tatsächliche Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitenden. Dadurch kann es passieren, dass Maschinen als verfügbar gelten, obwohl niemand da ist, der sie bedienen kann – was langfristig zu Lieferverzögerungen führt.
Das Modul erweitert die bestehende Odoo-Planung um die Berücksichtigung von Mitarbeiteranwesenheiten. Abwesenheiten wie Urlaub oder Krankheit fließen direkt in die Planung ein, sodass realistischere Fertigstellungstermine berechnet werden und Produktionsplaner frühzeitig über Risiken informiert werden.
Beides ist möglich. Die bestehende Arbeitsplatzplanung in Odoo bleibt vollständig erhalten und wird lediglich ergänzt. Zusätzlich bietet das Modul eine neue Sicht auf die Planung nach Mitarbeitenden, sodass Unternehmen flexibel entscheiden können, welche Perspektive für sie sinnvoll ist.
In diesem Fall erkennt das System die Änderung automatisch und informiert den Verantwortlichen über mögliche Verzögerungen im Fertigungsauftrag. So kann schnell reagiert werden – etwa durch Umplanung oder Zuweisung eines anderen qualifizierten Mitarbeiters – bevor es zu größeren Problemen kommt.
Quellenverzeichnis
- odoo.com (Stand: April 2026)
Optimierte Personalverwaltung in der Fertigung mit Odoo